Ludwigshafen/Rhein-Neckar, 23. September 2025. (red/pro) In der Nacht von Freitag auf Samstag wird in Ludwigshafen ein Mann erschossen. Genauer – im südwestlich gelegenen Stadtteil Maudach, einem früheren Dorf. In der Ortsmitte. Angeblich sollen sechs Schüsse gefallen sein. Die Behörden hüllen sich wegen laufender Ermittlungen in Schweigen. Noch laufen der oder die bewaffneten Täter frei herum. Zunächst deutet nichts auf eine „Milieutat“ hin. Den getöteten 26-Jährigen vermisst vor Ort anscheinend niemand.
Von Hardy Prothmann
Samstagnacht. Die Bergstraße im Ludwigshafener Stadtteil Maudach zieht sich lang und schnurgerade durchs Dorf. Kurz vor Mitternacht gibt es hier nichts, was von Interesse sein könnte, bis auf die beiden Bushaltestellen Maudach Ortsmitte. Im Halbstundentakt fahren die überwiegend leeren Busse der Linie 95 pünktlich an, wenige Personen steigen ein und aus, die Busse fahren wieder weg.
Vor knapp 24 Stunden wurden hier um 01:03 Uhr mutmaßlich sechs Schüsse gemeldet. Eine Anwohnerin wird in Medien zitiert, sie dachte zunächst an Böller.

Die Ortsmitte Maudach. Samstagnacht. Hinter der ausgeleuchteten Sitzgruppe starb ein 26-Jähriger in der Nacht von Freitag auf Samstag durch einen Schuss in die Brust.
Doch dann liegt eine Person vor einer Doppelgarage, wenige Meter von der Straße entfernt, hinter einer etwas trostlosen, ausgeleuchteten Sitzgruppe. Um 01:12 Uhr trifft der Notarzt ein, noch vor der herbeieilenden Polizei und stellt um 01:20 Uhr nach erfolgloser Reanimation den Tod der Person fest.
Bislang erfolglose Ermittlungen
Ermittler sperren den Tatort, stellen ein Zelt auf, suchen nach Spuren, sogar ein Hubschrauber kommt zum Einsatz. Ein 23-Jähriger wird kurz darauf festgenommen, aber wieder freigelassen, da sich kein Tatverdacht erhärtet.
Die Polizei gibt bislang nur wenige Informationen zu diesem „Tötungsdelikt“ preis, von dem unklar ist, ob es ein Totschlag war oder ein Mord oder möglicherweise eine Art Exekution: Das Opfer ist männlich, 26 Jahre alt. Damit ist sicher, dass die Identität des Getöteten den Behörden bekannt ist.
Am Sonntag erfolgt die Obduktion in der Rechtsmedizin der Universität Mainz. Todesursächlich war demnach ein Körpertreffer in die Brust. Der Mann starb damit vermutlich an einem hämorrhagischen Schock, ist also schnell verblutet, was darauf hindeutet, dass der Schuss ins Herz ging oder die Hauptschlagader getroffen hat. Ob dieser Schuss zufällig tödlich war oder gezielt, weiß man damit noch nicht.
Ob der Getötete weitere Schussverletzungen erlitt, darüber hüllen sich das Polizeipräsidium Rheinpfalz und die Staatsanwaltschaft Frankenthal bislang in Schweigen und beantworten keine Fragen mit Hinweis auf „Täterwissen“ und „laufende Ermittlungen“. Eine Mordkommission wird gebildet. Die Ermittlungen laufen auf Hochtouren. Denn vom bewaffneten und gewaltbereiten Täter fehlt bislang offenbar jede Spur.
Der Tatort ist mehr als ungewöhnlich
Zumindest der Öffentlichkeit nicht bekannt ist, ob es sich um einen oder mehrere Täter handelt, denn ob nur eine oder mehrere Waffen benutzt wurden, wird nicht mitgeteilt. Sechs Schüsse können aus einer oder mehreren Waffen stammen. Nicht bekannt ist ebenso, ob Patronenhülsen gefunden wurden oder nicht – sollten keine gefunden worden sein, würde das auf einen eiskalten Mord hindeuten, denn professionelle Killer hinterlassen so wenig Spuren wie möglich.

Die Bergstraße zieht sich länglich durch Maudach. Zu nächtlicher Zeit eine Durchgangsstraße, die nur nimmt, wer nicht schneller über die Umgehungsstraße einen Boden um Maudach macht.
Der Tatort wiederum ist mehr als ungewöhnlich – sowohl für einen Totschlag wie für einen Mord. Es gibt hier in der Dorfmitte von Maudach keine Kneipen, Bars oder ähnliche Lokalitäten, in denen sich ein Streit entwickeln könnte, der eskaliert. Es handelt sich offenbar auch nicht um einen familiären Streit, der ausartete, sonst wäre längst bekannt, dass hier jemand tot ist, der zuvor hier gewohnt hat.
24 Stunden nach der Tat gibt es nichts an diesem Tatort, dass darauf hindeutet, dass jemand vermisst wird oder jemand an jemanden gedenkt. Keine Kerzen, keine Blumen. Nichts. Noch nicht einmal einen Blutfleck.
Eine Anwohnerin führt ihren Hund aus. Ich spreche sie kurz an. Sie hat auch nicht wirklich etwas mitbekommen, außer den Polizeieinsatz dort weiter hinten. Maudach ist ein ruhiges Örtchen.
24 Stunden nach der Tat – reges Treiben auf der Bergstraße
Der erste Eindruck trügt. Denn es ist mehr los, als es scheint.
Gegen 23 Uhr kommen zwei jüngere Frauen und setzen sich unter das kahle Licht auf eine Bank der Sitzgruppe. Fünf Meter vom Tatort entfernt. Es ist schwülwarm. Und es gibt mit Sicherheit gemütlichere Orte, an denen man sich niederlässt, um ein wenig zu parlieren. Sie rauchen und reden leise. Kurz nachdem ich grußlos an ihnen vorbeilaufe, entfernen sie sich.
Und kommen wieder. In einem Kleinwagen. Der fährt langsam vor, hält an. Ich werde gemustert. Dann entfernt sich das Auto eilig. Warum fährt man mit einem Auto mitten in der Nacht zu einer trostlosen Sitzgruppe in einer Straße, in der nichts ist, was junge Menschen interessieren könnte?

Wenig einladende Sitzgruppe in der Ortsmitte. Die Tat geschah direkt dahinter. Wer fährt freiwillig hierher, um sich für einen Plausch niederzulassen?
Die beiden Frauen sind nicht die einzigen, die in der Zeit zwischen 22:35 und 01:16 Uhr hier „vorbeifahren“.
Auffällig sind rund ein Dutzend Fahrzeuge, die hier „vorbeikommen“, teils minutenlang mit etwas Abstand zu mir anhalten. Niemand steigt ein, niemand aus. Sie fahren weg. Und kommen erneut vorbei.
Die meisten dieser Fahrzeuge, die ich mehrfach beobachten kann, sind SUVs oder aufgemachte BMWs oder Audis. Auch ein neues, edles Porsche-Cabrio mit offenem Dach und drei jungen Männern darin, die weder nach Arzt-Söhnen noch nach erfolgreichen Jungunternehmern aussehen, kommt die Bergstraße entlang, verlangsamt auf Höhe des Tatorts die Fahrt, um dann schnell, aber nicht zu schnell weiterzufahren. Einige der Fahrzeuge haben rote Nummernschilder.
Bis auf den Kleinwagen mit den beiden Frauen sitzen in den Fahrzeugen nur Männer, meist mit südosteuropäischem oder nordafrikanischem Phänotyp, teils die Kapuze des Hoodies über den Kopf gezogen.
Für einen Stadtteil mit rund 6.500 Einwohnern, ein ehemaliges Dorf, beschauliches Wohngebiet mit hohem Freizeitwert durch die umliegenden Naherholungsgebiete (Maudacher Bruch) sind das auffällig viele Fahrzeuge dieser Art um diese Uhrzeit an einem Wochenende.
Gegen Mitternacht kommen zwei bullige Männer die Bergstraße entlang spaziert. Sie schlendern an mir vorbei, nicht ohne einen ganz unauffälligen Blick auf mich zu werfen, nach etwa 200 Metern wechseln sie die Straßenseite und spazieren wieder gemächlich zurück.
Um 0:22 Uhr fährt ein Streifenwagen der Polizei in Richtung Mutterstadt vorbei. Wieder kommt ein Bus. Niemand will einsteigen, niemand will aussteigen. Der Bus hält nicht und fährt durch.
Gegen 1 Uhr nähert sich ein dunkler Kombi, fährt von der Bergstraße ab, auf eine parallele Zufahrt zu Parkplätzen, fährt an diesen vorbei, wieder auf die Berstraße, biegt sofort wieder ab, fährt an den Tatort, wartet kurz und entfernt sich dann zügig. Ein etwas ungewöhnliches Fahrverhalten. Denn auch aus diesem Fahrzeug steigt niemand aus und niemand ein. Und genug Parkplätze hätte es hinter der Bushaltestelle Maudach Ortsmitte gegeben.
Keine Gefahr für die Öffentlichkeit?

Maudach Ortsmitte – der Bus Linie 95 kommt halbstündisch bis in die Nacht. Pünktlich. Manchmal fährt er auch durch.
Am Montag stellt die Polizei ein Zelt auf, als Anlaufstelle. Mehr als ein Dutzend Personen kommen vorbei, haben Gesprächsbedarf oder geben Hinweise. Am Nachmittag erfolgt eine Nachmeldung zum Obduktionsergebnis und dass die Ermittlungen intensiv und umfangreich erfolgen und eine Mordkommission gebildet worden ist.
Am Dienstag gibt es, zumindest offiziell, noch keine weiteren Ergebnisse. Laut Behörden gibt es keine Gefahr für die Öffentlichkeit. Das ist bemerkenswert, läuft doch immer noch jemand mit einer scharfen Waffe herum, mit der ein Mann erschossen worden ist. Das Medieninteresse ist bislang gering.
Immerhin spekuliert eine Zeitung, dass es sich um ein Verbrechen aus dem Milieu der organisierten Kriminalität handeln könnte, vielleicht „Drogenszene“. So könnte sich „keine Gefahr“ erklären – „normale“ Bürger müssen sich nicht fürchten, wenn in gewissen Kreisen „abgerechnet“ wird. Ob das so ist? Weiß man nicht.
Maudach ist bislang weder für eine Drogenszene noch für organisierte Kriminalität bekannt.
Bislang ist das Wohnviertel allerdings auch nicht für Schüsse und eine Leiche mitten in der Nacht bekannt. Jedenfalls war das bis zum 20. September 2025 der Fall.
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