Rhein-Neckar/Pulheim, 15. Juli 2026. (red/pro) Markus Wipperfürth wurde während nach der Flutkatastrophe im Ahrtal für viele Menschen zu einer Symbolfigur der spontanen Hilfe. Er betreibt eine reichweitenstarke Facebook-Seite, die insbesondere durch diese Rolle bekannt geworden ist. Er selbst bezeichnet seine Facebook-Seite regelmäßig als landwirtschaftlichen Kanal. Wer seine Beiträge verfolgt, sieht Traktoren, Felder, Tiere, Ställe und Maschinen. Landwirtschaft bildet den sichtbaren Rahmen und dient als „visuelles Erkennungszeichen“ der Seite. Wipperfürth spricht in seinen Videos häufig von „wir Bauern“ oder „wir Landwirte“ und nimmt für sich damit die Rolle eines selbsternannten Sprechers der Landwirtschaft ein. Doch bestimmt Landwirtschaft tatsächlich die Inhalte seiner Seite?
Von Hardy Prothmann
Dieser Artikel ist Teil 2 unserer Analyse – Teil 1 finden Sie hier.
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Ausgerechnet der April ist für viele landwirtschaftliche Betriebe Hochsaison. Es wird nahezu täglich gesät, gedüngt und gepflanzt. Wer einen landwirtschaftlichen Kanal betreibt, hätte in dieser Zeit also reichlich Stoff für Beiträge aus dieser spezifischen täglichen Arbeit.
Der Rheinneckarblog hat alle Beiträge aus dem April 2026 systematisch ausgewertet. Das Ergebnis zeichnet ein anderes Bild.
Gerade mal 13,4 Prozent Landwirtschaft
Im April 2026 veröffentlichte die Seite Lohnunternehmen Markus Wipperfürth insgesamt 329 Facebook-Beiträge. Davon beschäftigten sich 44 Beiträge schwerpunktmäßig mit Landwirtschaft. Das entspricht nur 13,4 Prozent aller veröffentlichten Beiträge. Anders gesagt: Fast sieben von acht Beiträgen behandeln etwas anderes als Landwirtschaft.
Vier andere Themen waren jedoch deutlich häufiger vertreten: Gesellschaft (92 Beiträge), Politik und staatliche Institutionen (77), Energie (52) sowie der Wolf (46). Landwirtschaft rangiert damit erst an fünfter Stelle.

Themen der Wipperfürth-Seite. Grafik: RNB

Bereits dieser erste Befund ist bemerkenswert: Reichen thematisch 13,4 Prozent der Beiträge aus, um von einem landwirtschaftlichen Kanal zu sprechen?
Noch deutlicher wird dieser Eindruck bei der Resonanz.
Kaum Erfolg mit landwirtschaftlichen Beiträgen
Die landwirtschaftlichen Beiträge erzielten im Mittel rund 530 Reaktionen, 47 Teilungen und 48 Kommentare. Die durchschnittlichen Werte der Beiträge der Seite kamen dagegen auf knapp 900 Reaktionen, 78 Teilungen und mehr als 100 Kommentare.
Auch unter den erfolgreichsten Beiträgen spielt Landwirtschaft kaum eine Rolle. Unter den zehn Beiträgen mit den meisten Likes dominieren Energiepolitik, gesellschaftliche Konflikte und politische Themen.
Der erste Beitrag mit landwirtschaftlichem Schwerpunkt taucht im Gesamtranking erst auf Platz 30 auf – und stammt nicht einmal von Markus Wipperfürth selbst, sondern verlinkt einen Beitrag von NDR Niedersachsen.
Der erfolgreichste eigene Landwirtschaftsbeitrag Wipperfürths folgt erst auf Platz 61.
Ausgerechnet das Thema Landwirtschaft, mit dem sich die Seite nach außen präsentiert und Authentizität vermittelt, gehört nicht zu ihren erfolgreichsten Inhalten. Damit endet diese Betrachtung allerdings noch nicht.
Nur 3,3 Prozent zeigen Hof- und Feldalltag
Denn die 44 unter Landwirtschaft codierten Beiträge sagen zunächst nur, dass Landwirtschaft das Hauptthema war. Sie sagen noch nichts darüber aus, welche Art von Landwirtschaft dort eigentlich gezeigt wird. Deshalb haben wir diese 44 Beiträge ein zweites Mal inhaltlich betrachtet und tiefer ausgewertet.
Die vertiefende Auswertung verändert den Blick auf die Daten noch einmal deutlich.

Nur 18 der 329 Beiträge beschäftigen sich tatsächlich mit der praktischen Arbeit auf dem Hof, auf dem Feld oder mit Tieren. Fast ein Drittel behandelt dagegen Verbraucher- und Ernährungsthemen. Weitere Beiträge beschäftigen sich mit Agrarpolitik, wirtschaftlichen Rahmenbedingungen des Berufsstands oder technischen Entwicklungen.
Mit anderen Worten: Selbst innerhalb der Kategorie „Landwirtschaft“ geht es häufig gar nicht um Landwirtschaft im engeren Sinn.
Nach einer vertiefenden Auswertung bleiben am Ende nur elf Beiträge, die tatsächlich den klassischen Hof- und Feldalltag zeigen – also Arbeiten auf dem Feld, im Stall oder mit landwirtschaftlichen Maschinen. Zu den elf Beiträgen zählt auch ein Hühnerprojekt der Wipperfürthschen Kinder. Ohne diese Beiträge läge der Anteil des eigentlichen Hof- und Feldalltags sogar noch niedriger.
Bezogen auf alle 329 Beiträge des untersuchten Monats entsprechen diese 11 Beiträge gerade einmal 3,3 Prozent.
Auch diese elf Beiträge erzeugen nur eine vergleichsweise geringe Resonanz. Zusammen erreichen sie 6.618 Reaktionen, 96 Teilungen und 475 Kommentare. Das entspricht lediglich rund 2,2 Prozent aller Reaktionen, 0,4 Prozent aller Teilungen und 1,4 Prozent aller Kommentare, die im April auf der Seite erzielt wurden.
Der erfolgreichste Beitrag dieser Gruppe landet im Gesamtranking der 329 Beiträge erst auf Platz 76.

Von 329 Beiträgen zeigen elf den eigentlichen Hof- und Feldalltag. Gleichzeitig entfallen auf diese elf Beiträge lediglich 2,2 Prozent aller Reaktionen des Monats. Selbst dort, wo Landwirtschaft tatsächlich gezeigt wird, gehört sie also weder zu den häufigsten noch zu den besonders erfolgreichen Inhalten der Seite.
Das bedeutet nicht, dass Landwirtschaft auf der Seite keine Rolle spielt. Traktoren, Felder, Tiere und Maschinen sind ständig präsent. Sie prägen das Erscheinungsbild der Seite und schaffen eine visuelle Authentizität. Inhaltlich dominieren jedoch andere Themen.
Kaum Resonanz für landwirtschaftliche Inhalte
Auch die Interaktionen zeigen, dass landwirtschaftliche Themen innerhalb der Community nur vergleichsweise geringe Resonanz erzielen.
Landwirtschaft ist auf der Seite lediglich „der Aufhänger“ als Einstieg in andere Themen. Von dort geht es weiter zu Energiepolitik, Bürokratie, dem Wolf, Medien, gesellschaftlichen Konflikten oder politischen Auseinandersetzungen.
Der landwirtschaftliche Alltag dient als Ausgangspunkt für eine weitergehende politische oder gesellschaftliche Einordnung.
Landwirtschaft als Rahmen, Politik als Resonanztreiber
Die Daten legen nahe, dass Landwirtschaft heute vor allem den Rahmen bildet. Die eigentlichen Resonanztreiber der Seite sind Politik, Energie, gesellschaftliche Konflikte.
Ein landwirtschaftlicher Kanal würde sich vor allem dadurch auszeichnen, dass Landwirtschaft den größten Teil seiner Inhalte bestimmt. Die Auswertung zeigt damit ein klares Bild: Landwirtschaft prägt die Außendarstellung der Facebook-Seite, bestimmt aber nicht ihre Inhalte.
In den nächsten Teilen der Serie untersucht der Rheinneckarblog, welche Themen besonders erfolgreich sind, welche Tonalität die größte Resonanz erzielt, welche rhetorischen Muster immer wieder auftauchen und wie sich die Community in mehr als 33.000 Kommentaren selbst organisiert.
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Methodischer Hinweis
Die Auswertung bezieht sich ausschließlich auf den Untersuchungszeitraum April 2026. Erfasst und codiert wurden sämtliche 329 öffentlich zugänglichen Facebook-Beiträge der Seite „Lohnunternehmen Markus Wipperfürth“ in diesem Zeitraum.
Die Aussagen dieses Artikels beziehen sich ausschließlich auf diesen Untersuchungsmonat. Sie erlauben belastbare Aussagen über die Themen, Kommunikationsmuster und Interaktionen im April 2026, nicht jedoch über die gesamte Entwicklung der Seite seit ihrer Entstehung oder über andere Zeiträume.
Die vertiefende Untergliederung der 44 als „Landwirtschaft“ codierten Beiträge wurde im Rahmen einer zusätzlichen qualitativen Inhaltsanalyse vorgenommen.
Die Ergebnisse stellen eine Momentaufnahme für den Untersuchungszeitraum April 2026 dar. Aussagen über die Entwicklung der Seite insgesamt bedürfen der Analyse weiterer Zeiträume.
Codierung: Katharina Beckmann
